Dem Foodsave verschrieben - der Gmüesgarte Bern

 

Bei dem Thema Foodwaste denken wir meistens an Produkte, die ganz am Ende der Kette im Abfall landen. Circa ein Drittel aller in der Schweiz produzierten Lebensmittel gehen im Verlauf der Produktions- und Vertriebskette verloren oder werden weggeworfen. Ein grosser Teil davon sind tatsächlich Waren, die nicht mehr verkauft werden dürfen und die in Detailhandel, Gastronomie oder bei uns zu Hause als übrig gebliebene Reste entsorgt werden. In Zahlen entspricht die Gesamtmenge des anfallenden Foodwaste in der Schweiz pro Jahr rund 2 Millionen Tonnen Nahrungsmittel.

 

Immerhin noch 15% dieses Drittels sind jedoch Lebensmittel, die gar nicht erst in den Detailhandel gelangen, weil sie den Vorgaben nicht entsprechen. Diese sagen dabei leider rein gar nichts über die Qualität der Lebensmittel aus, sondern sind lediglich getreu der Marktforschung vorgegebene Kriterien, durch die mit Schablonen aussortiert wird, was nicht der Norm entspricht. Der Apfel zu klein, die Banane zu kurz, die Kartoffel zu runzlig und schon landen sie im Abfall oder bestenfalls in der Biogasanlage - und das tonnenweise.

 

 

Genau diesen Früchtchen (und mehr) widmet sich seit Juli 2017 der Gmüesgarte Bern. Hier werden Waren angeboten, die bereits am Anfang der Marktkette aussortiert werden, qualitativ aber noch vollkommen in Ordnung sind. Das meiste davon kommt direkt von lokalen Betrieben aus der Region Bern/Seeland. Es wird vor Ort von den Landwirten und Hofläden bezogen und dreimal pro Woche mit dem eigenen Auto abgeholt. Lokale Wertschöpfung, die allen Beteiligten vom Händler bis zum Endkonsumenten zu Gute kommt.

 

 

Dem Foodsave verschrieben - die Gründer des Gmüesgartens und der Äss-Bar Bern & Biel

 

In den Gmüesgarte bin ich vor ein paar Monaten zufällig hineingestolpert, als ich einer Empfehlung folgend auf dem Weg in die Äss-Bar war. Die Treppen hinabsteigend in eines der schönen Kellergewölbe der Marktgasse, stand ich auch schon vor beiden Filialen. Links die Äss-Bar mit ihrer grossen Auswahl an Backwaren vom Vortag, rechts der Gmüesgarte mit seinem vielversprechenden Logo "chrumm und früsch".

 

Franziska, Kommunikationsfrau unter den vier befreundeten Gründern der Äss-Bar und des Gmüesgartens, erzählt mir mehr über die Idee und die Beweggründe. Auf einem Bauernhof gross geworden hat sie schon früh im elterlichen Betrieb mitbekommen, wie Äpfel mit Schablonen abgemessen und dementsprechend aussortiert werden. Die Idee und der Wunsch, übrig gebliebene Produkte bereits am Beginn der Kette zu vermarkten, war deshalb auch für die Gründung des Gmüesgartens massgeblich.

 

 

Vor circa drei Jahren entschieden die vier Freunde etwas Praktisches gegen die Essensverschwendung vor Ort in Bern zu tun. Sie eröffneten als Neulinge in diesem Bereich die Äss-Bar Bern, in der Backwaren vom Vortag zu günstigen Preisen verkauft werden.  Im Juli 2017 schliesslich öffnete der Gmüesgarte seine Türen und ergänzt nun in perfekter Weise das Angebot der Ässbar mit frischem Obst, Gemüse, Käse, Eiern und einer kleinen Auswahl lokal verarbeiteter Lebensmittel.

 

 

Von A bis Apfel bis Z wie Z'morge - das Sortiment des Gmüesgartens

 

Die lokalen Partner bedingen natürlich ein grösstenteils saisonales Angebot. Ihr findet hier, was eben gerade so wächst und gedeiht. Übrigens bei Obst und Gemüse immer in unverpackter Variante, was ja leider längst nicht mehr selbstverständlich ist. Daneben gibt es zusätzlich eine kleine Kühltheke, wo unter anderem Käse angeboten wird, der einige Wochen vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums gar nicht mehr bis in den Detailhandel gelangt. 

 

Ein paar Obstsorten aus dem Importhandel sind im Gmüesgarte auch zu finden, aktuell sind das zum Beispiel Kiwis und Bananen. Manches was im Ursprungsland als makellos betrachtet und verschifft wird, erfüllt dann trotzdem nicht die in der Schweiz vorgegebene Norm. Bevor dann exotische Früchte in bester Qualität in der Biogasanlage landen, haben sich die Inhaber des Gmüesgartens dafür entschieden, diese Produkte ebenfalls mit anzubieten. Bezogen werden sie von einem Partner-Hofladen aus der Region, der in seinem Sortiment auch Importwaren führt.

 

 

Ach ja, das Z'morge: Das könnt ihr natürlich hier auch haben! Mit Brot eurer Wahl aus der Äss-Bar von nebenan, Käseplatte oder frisch im Gmüesgarte zubereitetem Smoothie - nachhaltig, lecker und zu einem wirklich fairen Preis. Durch die direkte Vermarktung sind allgemein die Produkte des Gmüesgartens deutlich günstiger als im üblichen Detailhandel.

 

 

Chrumm und Früsch zum mitnehmen - Gemüseabo und Foodsave "to go"

 

Wer keine Zeit für eine längere Pause hat, kann Sandwiches, Smoothies oder Salate auch als Take-away (natürlich in einer recyclebaren Box) mitnehmen. Momentan planen die vier Inhaber weitere Angebote ausserhalb der Filiale, darunter vor allem Lieferungen für Caterings und Apéros. Bei der nächsten grossen Feier also ruhig an den Gmüesgarte denken ;-)!

 

Wer jetzt schon Fan ist oder es noch werden möchte, kann zudem 14-tägig oder einmal monatlich ein Gemüse-Abo beziehen. Nach Hause geliefert werden die Produkte dann mit dem umweltfreundlichen Lasten-Velo oder können direkt vor Ort in der Marktgasse abgeholt werden.

 

Nun wünsche ich euch viel Erfolg für das zweite Jahr Gmüesgarte! Danke Franziska für das ausführliche Erzählen und ein grosses Kompliment für euer Engagement! 

 

 

 

 

www.gmüesgarte.ch