Liebeserklärung an Berns Vielfalt

Wusstes du, dass Bern seit 2017 die erste Schweizer "Fair Trade Town" ist, dass Stadtgärtnern hier schon seit dem 12. Jahrhundert Tradition hat und die Stadt spätestens seit den 80-er Jahren als Hochburg der linken Alternativszene der Schweiz gilt? Von aussen so ganz unvorbereitet in eine neue Stadt zu kommen, hat manchmal echt gute Seiten. So war ich im Fall von Bern einfach viel neugieriger, was die Stadt eigentlich zu einem so beliebten Pflaster für Weltoffenhheit und kreative Ideen macht und warum sich hier so gerne junge Menschen mit Mut zum Querdenken niederlassen. 

 

 

 

Eine Entdeckungstour durch Berns Quartiere und verträumte Altstadtgassen lohnt sich definitiv. Beim allerersten Bummel durch Bern fiel mir sofort auf, dass sich auf dichtestem Raum (so gross ist Bern ja nun wirklich nicht...) üppige Angebote von ausgefallenen, pfiffigen und liebevoll gestaltenen Läden, Ateliers und Cafés tummeln, die man in anderen Städten wie Stecknadeln im Heuhaufen suchen muss.

 

 

 

Darunter sind jede Menge Produkte und Läden die zur "Fair Trade" Kategorie gehören, aber auch Upcycling-Produkte aller Sparten und liebevoll präsentierte Second-Hand Waren. Ich habe mich auf Spurensuche gemacht und teile mit euch hier die Hintergründe und nennenswerte Orte, die für mich auf jeden Fall zur Kategorie städtische Nachhaltigkeit gehören.  Am Anfang stand für mich dabei die Frage:

 

 

 

Warum ist Bern eigentlich so anders?

 

 

 

Bei der Frage warum Bern die Alternativszene von grün über links bis spirituell eigentlich so stark anzieht, ist an einem Ort kein Vorbeikommen. So kontrovers er auch sein mag, hat er die Berner Stadtgeschichte und Kulturszene doch massgeblich geprägt.

 

 

 

Na...schon erraten?

 

 

 

Genau, ich meine die Reitschule, die schon vom Zug aus jedem Besucher verrät, dass hier eine junge linksalternative Szene zu Hause ist. Nichts besonderes zunächst, bei genauerem Hinschauen aber schon. Denn erstens gibt es diesen Ort nun bereits seit 30 Jahren und zweitens ist er nicht nur Raum für Konzerte und jugendliche Revolte, sondern bietet mit einem Restaurant und Café, einem grossen Aussenbereich der im Sommer einladend gestaltet ist und mit Kino- und Theaterprogramm entgegen dem Mainstream noch weit mehr, das die Kulturlandschaft bereichert. Stadtregierung und die junge Linke schaffen es in Bern immerhin trotz aller Konflikte im Dialog zu bleiben, was in einem konservativ geprägten Land gar nicht selbstverständlich ist.

 

 

 

Projekte des urbanen Wandels, vom sozialen bis zum ökologischen und weltanschaulichen Bereich haben im rot-grünen Umfeld Berns einen guten Nährboden und stossen schnell auf Resonanz.

 

 

Fair-Trade-Town Bern

 

 

 

Dass Bern 2017 als erste grössere Stadt der Schweiz vom Dachverband "Swiss Fair Trade" ausgezeichnet wurde, habe ich vor meinem Umzug zufällig in einem Artikel entdeckt. Tatsächlich finde ich diese Initiative erwähnenswert, weil sie viele praktische Voraussetzungen zur Grundlage hat, die Gemeinden, Kommunen und Städte erfüllen müssen, um den Titel "Fair Trade Town" führen zu können. Die Orte verpflichten sich, eine bestimmte Mindestanzahl an Unternehmen und Institutionen für den Fair-Trade Gedanken zu begeistern, damit sie ihre Produkte und Dienstleistungen ganz oder teilweise auf die Bedingungen des fairen Handels umstellen. Zusätzlich setzen sich die auf der Homepage (www.fairtradetown.ch) registrierten Partner durch Öffentlichkeitsarbeit für die Sensibilisierung der Bevölkerung zu diesem Thema ein. Sie sind verpflichtet ihr Engagement und ihre Produkte über die Homepage im Sinne der Transparenz offenzulegen.

 

 

 

Bern hat von 2016-2017 über 100 Unternehmen und Institutionen von dem Konzept überzeugen können, darunter Kindergärten, Schulen, Spitäler, Gastbetriebe und natürlich zahlreiche kleinere Geschäfte, die fair gehandelte Produkte anbieten. Zu den Vorgaben der "FairTradeTowns" gehört aber auch ein dauerhaftes Mitwirken der Stadt- und Gemeinderegierungen, weshalb Bern eine ständige Arbeitsgruppe zur Koordination der bestehenden Initiativen und zur Information für neu hinzukommende Unternehmen ins Leben gerufen hat.

 

 

 

 

Unverpackt und von gestern: Nennenswerte Orte für

Nachhaltigkeit in Bern

 

 

 

Bei einem Bummel durch die Altstadtgassen oder die einzelnen Quartiere finden sich jede Menge kleine, liebevoll gestaltete, grüne und "Fair-Trade-Oasen". Natürlich habe ich darunter ein paar Lieblinge, die ich euch auf jeden Fall näherbringen will und die für Berns Vielfalt einen wichtigen Beitrag leisten. Da fällt mir zuerst der "Gmüsgarte" ein der, gleich neben der Berner Äss-Bar mit ihren leckeren Backwaren vom Vortag, aus der Norm gewachsenes Gemüse unverpackt verkauft.

 

 

 

Die Unverpackt-Läden sind natürlich unbedingt unterstützenswert und davon hat Bern nun bald drei. Neben LOLA (Bioladen in der Lorraine, der sehr viele Produkte aller Sparten unverpackt anbietet) und der "PaletteUnverpackt" in der Münstergasse, läuft gerade noch das Crowdfunding Projekt für "Bern unverpackt", den dritten im Bunde als Anschluss an die Kulturbar "Werkhof 102". In den Unverpackt-Läden finden sich nicht nur Lebensmittel, die in eigenen oder ausleihbaren Behältern abgefüllt werden können, sondern auch Kosmetik- und Haushaltsprodukte, die in unserem Alltag häufig noch grössere Mengen an Plastikabfällen verursachen.

 

 

 

Und weil die vegane Bewegung erst relativ langsam in der Schweiz Einzug hält, dürfen hier die Filialen von "Evas Apples" in der Erwähnung nicht fehlen. In Bern findet ihr das Geschäft ebenfalls mittendrin in der Altstadt, in einem der schönen Kellergewölbe der Kramgasse. Im umfangreichen vegan-Sortiment werden ebenfalls zahlreiche Produkte unverpackt angeboten.

 

 

 Die "Palette unverpackt" in  der Münstergasse bietet eine breite Vielfalt an verpackungsfreien Produkten.

 

 

 

Bern Transition-Town und Urban-Gardening

 

 

 

Genau - das Gärtnern muss unbedingt mit rein, wenn von urbanem Wandel die Rede ist. Natürlich war die anfängliche Frage nach dem Stadtgärtnern im 12.Jahrhundert mit einem Augenzwinkern gemeint. Es stimmt aber tatsächlich, dass in den wunderschön anzuschauenden Terrassengärten, die in Bern Aare und Altstadt miteinander verbinden, bereits zu Zeiten der Stadtgründung im 12./13.Jahrhundert von den Städtern Gemüse angebaut wurde.

 

 

 

Projekte für gemeinschaftliches Urban-Gardening, gibt es in Bern gleich mehrere. Gegärtnert wird zum Beispiel im alten Tramdepot, mit mobilen Projekten in der Lorrainestrasse (betreut vom Amt "Stadtgrün Bern"), im Zieglerareal in Bern-Bümpliz in Verbindung mit dem Projekt "Food for souls" und im wunderschönen Stiftsgarten, einer der geschichtsträchtigen Terrassengärten mit Blick auf das Berner Münster und die Aare.

 

 

 

Über die Transition-Towns habe ich in meinem Blogartikel "SoulCities" bereits geschrieben und auch Bern hat seit einigen Jahren mehrere Gruppen, die sich für Transition Initiativen einsetzen. Dazu gehört eine Gruppe für das "SOLAVELO" (solidarisches Lastenvelo), die Lebensmittel in der Stadt (z.B. im Zusammenhang mit Gemüseabos) gemeinsam mit dem Fahrrad transportieren und das Engagement für "TransitionStreets", wo es um nachhaltig gelebte Nachbarschaft, gegenseitige Untertstützung und teilen von Lebensmitteln, Haushaltswaren etc. geht, um Abfall zu vermindern und Ressourcen zu sparen.

 

 

 

Ihr seht also, es gibt jede Menge stauens-und entdeckenswertes im gemütlichen Bern und im besten Fall hat euch der Artikel Lust gemacht, selbst auf Erkundungstour in eurer eigenen Stadt zu gehen und euch vielleicht der ein oder anderen Idee anzuschliessen. Für mich ist es immer wieder erstaunlich zu sehen wie viel Neues schon da ist, wenn wir die Augen dafür öffnen und uns Zeit nehmen, diese Orte und ihre Menschen auch zu finden.

 

 

Gemeinsam gärtnern mit  wunderschöner Kulisse: Der Stiftsgarten zwischen Altstadt und Münster

 

 

 

 

 

 

https://www.transition-initiativen.de/standorte/bern

 

http://bern-unverpackt.ch/

 

https://www.evas-apples.ch/

 

https://www.nachhaltigleben.ch/food/

urban-gardening-schweiz-wo-es-in-basel-bern-und-zuerich-gruent-3289

 

http://www.ziegler-freiwillige.ch/gartenprojekt-food-for-souls/